Bauchschmerzen und Durchfall

Von Bauchschmerzen und Durchfall

Seit 01.07.2010 bin ich als Gastroenterologe in der fachinternistischen Gemeinschaftspraxis am St. Josef-Krankenhaus in Viernheim tätig. Der Gastroenterologe ist eine Spezialsierung der Inneren Medizin und beschäftigt sich mit den Erkrankungen des Verdauungstrakts; dazu zählen Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm und der restliche Dünndarm, sowie der Dickdarm, aber auch Leber und Bauchspeicheldrüse.

Jeder Mensch der wiederholt Beschwerden im Bauchbereich (Drücken, Ziehen, Brennen oder Schmerzen) angibt, sollte sich einer Ultraschalluntersuchung unterziehen. Diese kann in der Regel beim Hausarzt erfolgen. Sie ist völlig schmerzlos und ungefährlich, lediglich etwas nass und kalt. In den letzten Jahren hat sich durch die Verbesserung der technischen Bedingungen viel Fortschritt ereignet. Die Ultraschallgeräte der neuen Generation erkennen millimetergroße Veränderungen in den Bauchorganen wie Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüsen und Milz und machen mittlerweile sogar der Computertomographie (CT) und der Kernspin- oder Magnetresonanztomographie (MRT) Konkurrenz. Durch die Entwicklung der Kontrastmittelsonographie lassen sich auch Aussagen über die Gutartigkeit von Veränderungen in Organen treffen. Gleichzeitig kann man entzündliche Veränderungen im Dünndarm oder auch im Blinddarm abschätzen.

Für die Hohlorgane ist jedoch in erster Linie die Endoskopie (wörtlich der Blick ins Innere) das Mittel der Wahl. Hier wird mit flexiblen, optischen Geräten – die an einen schwarzen, etwa fingerdicken Gartenschlauch erinnern – das Innenleben von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm, sowie vom Dickdarm betrachtet. Eine Magenspiegelung sollte durchgeführt werden bei Schmerzen oder Brennen hinter dem Brustbein, bei Sodbrennen, bei Schmerzen oder Brennen im Oberbauch oder bei anhaltenden Durchfallerkrankungen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Beschwerden über 2 Wochen anhalten und nicht komplett verschwinden. Die Magenspiegelung kann in einer Art Narkose durchgeführt werden, so dass sich der Patient während der Untersuchung in einer Art Dämmerzustand befindet oder gar komplett schläft. So können selbst empfindliche Menschen die Untersuchung problemlos über sich ergehen lassen.
Meist sind ungefährliche Erkrankungen wie bloße Entzündungen Ursache der Beschwerden. Nach der Spiegelung kann dann eine gezielte Behandlung erfolgen. Eine Entzündung im Magen – eine sogenannten Gastritis – oder im Zwölffingerdarm (sog. Duodenitis) wird nicht selten von einem Bakterium, dem Helicobakter pylori, verursacht. Er kann sich durch eine Art Propeller durch den schützenden Schleim der Magenschleimhaut bohren und sich darunter vor der aggressiven Magensäure verstecken. So kann er unbehelligt unter der Schleimschicht im Magen leben und sich dort vermehren. Dabei ist er Auslöser von Entzündungen und Geschwüren. Durch eine Magenspiegelung kann man diesen Erreger nachweisen und dann durch eine Antibiotikakur (in Form von Tabletten) beseitigen. In der Fachsprache nennt man das eine „Eradikation“.

In anderen Fällen schließt der Pförtner zwischen Speiseröhre und Magen nicht richtig (Cardia-Insuffizienz). Dies kann bedingt sein durch eine einfache Fehlregulation des Schließmuskels oder aber durch einen Bruch im Zwerchfell (Hiatushernie). In beiden Fällen fließen Nahrung, Magensäure und Gallensäure in die Speiseröhre, führen dort zur Entzündung und gelegentlich auch zu Geschwüren. Hier hilft meist eine Therapie mit Säureblockern. In Ausnahmefällen kann eine Operation helfen, diese muß jedoch aufgrund Nützen- und Risikoseite gut abgewogen: In manchen Fällen bessert die Operation (die übrigens heute auch ohne Bauchschnitt, durch eine sog. Bauchspiegelung durchgeführt werden kann) die Beschwerden, in anderen Fällen jedoch ist sie weitgehend wirkungslos und in wieder anderen Fällen haben die Patienten Schluckprobleme. Wenn das Sodbrennen durch Säureblocker beseitigt werden kann, so ist dies – auch bei dauerhafter Einnahme – die Therapie der Wahl. Allerdings muss bedacht werden, dass auch eine dauerhafte Einnahme von Säureblockern Nebenwirkungen mit sich bringt. In erster Linie ist hier die Gefahr der Osteoporose zu nennen. Der Grund dafür ist, dass das Calcium ohne Säure nicht in Lösung geht, und dann weiter in kristalliner Form im Verdauungstrakt vorliegt. Das kristalline Calcium kann jedoch nicht vom Dünndarm aufgenommen werden. Nimmt man über Jahre Säureblocker ein, so kann das zu einer Unterversorgung von Calcium führen. In einem solchen Fall kann es sinnvoll sein, Calcium und Vitamin D (welches die Aufnahme von Calcium unterstützt) eine halbe Stunde vor dem Säureblocker einzunehmen, um der Entstehung einer Osteoporose vorzubeugen.

Bei anhaltenden Brennen oder Schmerzen hinter dem Brustbein oder im Oberbauch ist eine Magenspiegelung einerseits sinnvoll, um eine gezielte Behandlung einleiten zu können. Andererseits aber auch deshalb, da in seltenen Fällen bösartige Veränderungen solche Beschwerden hervorrufen können. Bösartige Veränderungen zeigen sich im oberen Verdauungstrakt entweder in Form von Geschwüren oder von Geschwülsten. Glücklicherweise sind diese Veränderungen meist gutartig, dennoch müssen diese bis zur kompletten Ausheilung kontrolliert werden, da auch wiederholte Gewebeproben nicht zuverlässig eine bösartige Veränderung ausschließen können.

Auch im Dickdarm kann es zu bösartigen Veränderungen kommen. Insgesamt erkranken in der Bundesrepublik 6% der Bevölkerung an Darmkrebs. Blut im Stuhl kann ein Warnhinweis sein und sollte, wenn noch nicht geschehen, eine Darmspiegelung nach sich ziehen. Glücklicherweise werden die Hälfte dieser sogenannten Colon-Karzinome frühzeitig entdeckt und können komplett geheilt werden. Aber auch wenn der Darmkrebs nicht mehr heilbar ist, leben die Patienten dank der neuen Therapiemöglichkeiten mit Operation, Chemotherapie und Antikörperbehandlung heute oft noch mehrere lebenswerte Jahre mit Ihrer Erkrankung. Auf diesem Gebiet hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten glücklicherweise sehr viel bewegt.

Aufgrund dieser erschreckend hohen Zahl an Darmkrebserkrankungen, wurde in Deutschland die Vorsorgedarmspiegelung eingeführt, die ab dem 55. Lebensjahr von den Kassen angeboten wird. Denn anders als die meisten Krebserkrankungen, lässt sich der Darmkrebs fast immer vor seinem Entstehen relativ sicher verhindern. Der Grund dafür ist, dass der Krebs im Dickdarm fast immer aus gutartigen Polypen heraus entsteht. Diese Polypen können während der Darmspiegelung (Coloskopie) entdeckt werden und in der gleichen Sitzung abgetragen werden. Ein abgetragener Polyp kann nicht mehr bösartig entarten.

Leider wird diese Vorsorgeuntersuchung von der großen Mehrheit der Bevölkerung noch nicht angenommen. Entweder weil die Gefahr des Darmkrebs unterschätzt wird, oder aber aus Angst vor der Untersuchung, die jedoch weitgehend unbegründet ist: Die Darmspiegelung kann ebenso wie die Magenspiegelung in einer Art Narkose durchgeführt werden. Darüber hinaus bekommen die Patienten regelmäßig ein stark wirksames Schmerzmittel. Die meisten unserer Patienten berichten anschließend, dass die Untersuchung Ihnen keine oder kaum Schmerzen bereitet hätte. Einige Patienten wünschen auch keine Narkose zu bekommen, um die Spiegelung live auf dem Monitor zu mitzuverfolgen.

Auch die selten Risiken der Untersuchung (Einriss des Darms, Blutung, Kreislaufeinbrauch, Narkosezwischenfälle) sind sehr überschaubar; einerseits aufgrund Ihrer Rarität, andererseits aufgrund der guten Beherrschbarkeit in einem Akutkrankenhaus wie dem Viernheimer Krankenhaus, in dem eine sofortige intensivmedizinische Versorgung gewährleistet ist. Einzig der lästigen Abführmaßnahmen muß sich der Patient wohl oder übel unterziehen. Ohne diese ist eine Darmspiegelung leider nicht möglich.

In letzter Zeit werden sogenannte Alternativen zur Darmspiegelung angeboten, wie z.B. Tumormarker oder eine sogenannte virtuelle Darmspiegelung durch Röntgenuntersuchungen. Beide sind, meiner Meinung nach, jedoch keine wirklichen Alternativen. Erstens ist die Treffsicherheit beider Methoden begrenzt, der Patient wiegt sich wohlmöglich in trügerischer Sicherheit. Zweitens können die gefährlichen Polypen nur durch die Coloskopie gleichzeitig entdeckt und beseitigt werden.

Die Darmspiegelung ist aber keine reine Vorsorgeuntersuchung. Klagt der Patient über Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, unklaren Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder eine unerklärliche, dauerhafte Müdigkeit mit Leistungsknick, sollte sowohl eine Magen-, als auch eine Darmspiegelung, aber auch weiterführende Untersuchungen wie Labor, Röntgen und Ultraschall durchgeführt werden, da dies ernstzunehmende Warnhinweise des Körpers sein können.

Auch im Falle anhaltender Durchfälle, sollte eine Dickdarm- mit Dünndarmspiegelung (Ileocoloskopie, gegebenenfalls auch eine Duodenoskopie) durchgeführt werden. Dabei ist es wichtig, dass aus allen Darmbereichen Gewebeproben entnommen werden (Stufenbiopsien), da es Durchfallerkrankungen gibt, die nur unter dem Mikroskop festgestellt werden können. Hier gibt es eine ganze Palette an Erkrankungen, die für anhaltenden Durchfall in Frage kommen: Angefangen bei Infektionserkrankungen, über chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (eine Art rheumatische Darmentzündung), bis hin zum Reizdarm, welcher eher einer Fehlsteuerung des darmeigenen Nervensystems zugrunde liegt.
Hier kann nur eine Darmspiegelung, gegebenenfalls in Kombination mit einer Spiegelung des Zwölffingerdarms, Aufschluß geben.

Sollten Sie an einer der beschriebenen Beschwerden leiden, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, ob nicht die eine oder andere Untersuchung oder ein Gespräch mit einem Gastroenterologen sinnvoll sein könnten. Unabhängig von der Ursache der Beschwerden, gibt es heute glücklicherweise in aller Regel gute und gezielte Behandlungsmöglichkeiten.





















 

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