Arthrose - Ernährung als Vorbeugung

Dr. Verena Rossak
FÄ für Orthopädie und Unfallchirurgie
Karl-Marx-Str. 24
68519 Viernheim

Arthrose - Gezielte Ernährung als Möglichkeit der Vorbeugung und Therapieunterstützung des Gelenkverschleißes
Der Gelenkverschleiß, die "Arthrose" ist eine der kostenintensivsten Erkrankungen im Gesundheitswesen.
Nicht in Kosten beziffern lässt sich der Leidensdruck für die Patienten, der durch die negativen Folgen der Erkrankung entsteht: Schmerzen, Bewegungseinschränkung, Einschränkung der täglichen Aktivitäten und der Möglichkeit zur Teilnahme am sozialen Leben, der Sportausübung.
In der heutigen ärztlichen Praxis werden zur konservativen Behandlung der Symptome meist schmerz- und entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Sehr wichtig ist die schonende aber regelmäßige Bewegungstherapie für die angeschlagenen Gelenke.

Leider gibt es derzeit keine heilende, "kurative" Behandlungsmöglichkeit der Arthrose.
Dabei ist Arthrose keinesfalls eine Erkrankung des alten Menschen. Zunehmend mehr junge Menschen leiden an Gelenkverschleiß als Folge von Unfällen, Übergewicht, Bewegungsmangel, Stoffwechselerkrankungen.
Daher sind auch in frühen Stadien und für alle Altersstufen nicht schädliche Behandlungsmöglichkeiten wichtig.

Zunehmende Bedeutung findet hier ein ernährungsphysiologisches Behandlungs-konzept.

Das Gelenk ist die bewegliche Verbindung zwischen zwei Knochen. Damit die Gelenkflächen nicht bei jeder Bewegung aneinander reiben, sind sie von einer schützenden glatten 1 bis 5 mm dicken Knorpelschicht überzogen. Die schützende Knorpelschicht ist eng mit dem Gelenkknochen verbunden und wirkt dank ihrer Gewebseigenschaften wie ein elastischer Puffer oder Stoßdämpfer. Sie fängt den Druck ab und verteilt ihn gleichmäßig auf die Gelenkknochen.
Entsteht hier ein Missverhältnis, kommt es zum Abbau von Knorpelgewebe und zur Schädigung. Leider kann das Knorpelgewebe vom Körper nicht erneuert werden. Eine selbstständige Reparatur des Körpers wie bei anderen Geweben ist bei Gelenkknorpelschäden beim Erwachsenen fast unmöglich.
Daher ist eine rechtzeitige optimale Unterstützung dieses empfindlichen Gewebes über die Versorgung mit speziellen Nährstoffen wichtig.
Der Knorpel ist nicht an den Blutkreislauf angeschlossen, er wird nur über die Gelenkflüssigkeit (Synovia) versorgt, die sich im Gelenkspalt zwischen den beiden Gelenkflächen befindet.

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Dies geschieht, indem der Knorpel bei Belastung wie ein Schwamm ausgepresst wird und die vorher aufgenommene Flüssigkeit mitsamt den Stoffwechselabfallprodukten abgibt. Neue nährstoffreiche Gelenkflüssigkeit wird in der Entlastungsphase in den Knorpel aufgesogen.
Ein regelmäßiger Wechsel zwischen Be- und Entlastung sowie eine ausreichende Zufuhr von knorpelaktiven Nährstoffen sind also Voraussetzung für die Gesunderhaltung des Knorpels, ohne die er schlichtweg "verhungern" würde.

Durch die dauernde Entzündung, die durch den Verschleiß besteht, benötigt ein angeschlagenes "arthrotisches Gelenk" im Vergleich zum gesunden Gelenk eine erhöhte Menge an Mikronährstoffen, was über die "normale“ Ernährung schon mengenmäßig kaum zu bewerkstelligen ist.
Eine weitere Besonderheit besteht beim älteren Patienten: Durch eine veränderte. Darmfunktion können Nährstoffe nicht mehr so gut aufgenommen werden. Die Dosis an Nährstoffen muss also erhöht werden.

Dann ist ein Ersatz über spezielle Präparate zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung sinnvoll.



Es sind vorrangig drei Wirkstoffgruppen wesentlich für eine gesunde Gelenkfunktion:

1 Essenzielle Knorpelbausteine:

Glukosaminsulfat
Chondroitinsulfat
Hyaluronsäure
Kollagenhydrolysat

Glukosaminsulfat und Chondroitinsulfat sind wichtige Bausteine des Knorpel-gewebes, die die Belastbarkeit des Knorpels mitbestimmen. Außerdem fangen sie freie Radikale (gewebeangreifende Abbauprodukte des Stoffwechsels) ab.

Hyaluronsäure ist ein körpereigener Baustein, der große Wassermengen binden kann und daher für die Elastizität und die stoßdämpfenden Eigenschaften des Knorpels sehr wichtig ist. Außerdem spielt HA eine Rolle im Knorpelstoffwechsel und ist wichtig für die Knorpel-Stützsubstanz.

Das Kollagen ist die Stützsubstanz des Knorpels. Sie wird aus Eiweißbausteinen in Körper selbst gebildet, die Grundstoffe sind im Kollagenhydrolysat vorhanden.













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2 Unterstützung des Knorpel- und Knochenstoffwechsels:

Vitamin D3 (Unverzichtbar für die Calciumaufnahme aus dem Darm und den Kalziumeinbau in den Knochen)
Vitamin K1 (Knochenbildung)
Vitamin B6 (Vernetzung des Stützgewebes)
Vitamin C
N-Acetylcystein, Calcium

3 Entzündungshemmung:

Omega-3-Fettsäuren:
Sie wirken hemmend auf die Bildung von entzündungsaktiven Stoffen, den Prostaglandinen, dem Tumornekrosefaktor und den Interleukinen. Diese korpelangreifenden und -abbauenden Enzyme sind bei Gelenkentzündungen im Blut und in der Gelenkflüssigkeit erhöht.
Aus den Omega-3-Fettsäuren werden im Organismus entzündungshemmende Stoffe aufgebaut.

Antioxidanzien:
Durch den allgemeinen Stoffwechsel entstehen im Körper ständig sogenannte "freie Radikale", die zu einer Zellschädigung führen über vorzeitige Alterung,
Chromosomenschäden der Zellen und Stoffwechselstörungen. Bei Entzündungs-prozessen, zum Beispiel im Gelenk, entstehen vermehrt freie Radikale, die das Knorpelgewebe schädigen. Daher besteht beim Gelenkverschleiß ein erhöhter Bedarf an Antioxidantien, die die Fähigkeit haben, die freien Radikale zu neutralisieren.
Wichtige Antioxydantien sind:
- Vitamin C und Vitamin E
- Spezielle Pflanzenstoffe (Carotinoide und CitrusBioflavonoide)



Zusammenfassend lässt sich sagen:

Mikronährstoffe sind natürliche Stoffe, die wichtig für die Gesundheit sind. Dazu gehören Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, sekundäre Pflanzenstoffe sowie essenzielle Fettsäuren und Eiweißbausteine. Kombiniert werden sie mit Knorpelbausteinen und Wirkstoffen zur Unterstützung des Knochenstoffwechsels.

Eine ausreichende Versorgung mit all diesen Stoffen hilft, das biologische Gleichgewicht im Gelenk wiederherzustellen.
Sie können damit helfen, die Gelenkentzündung einzudämmen, den Gelenkschmerz zu lindern, die Beweglichkeit zu fördern und sie sorgen damit insgesamt für eine höhere Lebensqualität.
Sie werden eingesetzt zur Unterstützung der allgemeinen Arthrosebehandlung, sei es konservativ oder operativ.

 

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