Allergien

Allergische Erkrankungen nehmen in den westlichen Industrienationen in den letzten Jahrzehnten deutlich an Häufigkeit und Schweregrad zu. In nüchternen Zahlen heißt dies, dass bereits 13% der Kinder und 20% der Erwachsenen allergischen Beschwerden haben. Der Ärzteverband Deutscher Allergologen schätzt sogar, dass jeder dritte Deutsche – also ca. 27 Millionen Menschen - von Allergien betroffen ist.
Diese Beschwerden reichen vom allergischen Schnupfen und tränenden Augen bis zu Asthma bronchiale.

Aber – was ist eigentlich eine Allergie?
Das Immunsystem unseres Körpers soll uns vor fremden Stoffen schützen. Es erkennt Krankheitserreger, wie Bakterien oder Viren, und schützt uns vor ihnen.

Eine Allergie ist eine „überschießende„ Reaktion unseres Immunsystems. Bei wiederholtem Kontakt mit an sich harmlosen Stoffen, die eigentlich keine Gefährdung für unseren Körper darstellen, wie Gräserpollen, Staub oder Tierhaare, werden diese als potentiell „gefährliche Fremdstoffe / fremde Eiweiße„ eingestuft und rufen eine Abwehrreaktion hervor. Der Mensch entwickelt eine Allergie.

Hat unser Immunsystem einmal allergisch reagiert, merkt es sich dies fortan. Bei erneutem Kontakt, zum Beispiel dem jährlich wiederkehrenden Pollenflug, wird das Immunsystem immer wieder reagieren. Diese (Abwehr-) Reaktionen können im Laufe der Zeit auch heftiger ausfallen. Ein anfänglich „harmloser„ allergischer Schnupfen kann sich im Laufe der Jahre auf die Atemwege ausweiten und zu einem Asthma bronchiale führen.

Welche Beschwerden hat man bei einer Allergie?
Gerade Menschen mit einer Gräser-/ Pollenallergie (auch Heuschnupfen) kennen es. Spätestens mit Beginn der schönen Jahreszeit – oft aber auch schon Ende Januar oder im Februar- beginnen die Augen zu jucken und tränen und die Nase beginnt zu laufen - ein allergischer Schnupfen beginnt. Oftmals verbunden mit roten, juckenden Hautausschlägen. Doch auch immer mehr Menschen reagieren mit Atem-beschwerden bis hin zu Asthma. Und gerade hier ist eine schnelle Behandlung notwendig.

Warum bekomme gerade ich eine Allergie?
Die Neigung zu einer solchen Reaktion ist vererblich und liegt bei Personen, bei denen beide Elternteile Allergiker sind, bei ca. 40 – 60%.
Aber auch bei dieser Erkrankung spielen die Lebensumstände eine erhebliche Rolle. So ist es zum Beispiel gar nicht wünschenswert, Kinder von allem fern zu halten. Die landläufige These, „Landkinder„ haben seltener Allergien als „Stadtkinder„ ist daher auch zutreffend. Die schlechte Luftqualität in den Städten ist ein ausschlaggebender Faktor. Wenn es möglich ist, sollten die Babys mindestens 6 Monate gestillt werden, so gibt die Mutter dem Immunsystem des Kindes eine gute Basis.
Aber eine Garantie gegen Allergien gibt es leider nicht.
Gibt es verschieden Arten von Allergien?
Man unterscheidet zwei häufige Allergieformen.
Die Soforttyp-Allergie tritt innerhalb von Minuten bis Stunden nach Aufnahme des Allergens auf. Typische Stoffe, die zu dieser Art der Reaktion führen sind: über die Atmung aufgenommene Allergene (wie Gräser- oder Baumpollen, Mehl oder Hausstaubmilben) oder über den Mund aufgenommene Allergene (wie Eiweiß, Obst, Fisch oder Antibiotika).

Bei der Spättyp-Allergie tritt die Reaktion erst mehrere Stunden bis zu 3 Tagen nach Kontakt mit dem Allergen ein. Typische Vertreter sind Nickel, Duftstoffe und Konservierungsstoffe in Kosmetik. Die Abwehrreaktion des Körpers führt zu juckenden Entzündungen und Ekzemen.

Eine besondere Problematik ist die „Kreuzallergie„. Das Immunsystem reagiert bei der Kreuzallergie zuerst gar nicht auf das Allergen, zum Beispiel der Erdbeere, sondern eigentlich auf Baumpollen. Weil die Erdbeere den Pollen aber „ähnlich„ ist, wird die Erdbeere als gefährlich eingestuft und der Körper wehrt diesen angeblich gefährlichen Stoff ab.

Ein gutes Beispiel ist die Allergie auf die bereits erwähnten Baumpollen. Oftmals tritt bei diesen Patienten eine Nahrungsmittelallergie gegen Kernobst (Apfel, Birne), gegen Nüsse und Mandeln und Obstsorten wie Kiwis, Brombeeren, Himbeeren und Erdbeeren auf.
Dagegen lässt sich bei Gräser- und Roggenallergien oft eine Reaktion auf Soja- und Getreidemehl, Erdnüsse, Kartoffeln und Tomaten beobachten.

Welche Diagnosemöglichkeiten gibt es?
Zentrale Fragen im Arzt-Patienten – Gespräch sind die Art, die Schwere, die Häufigkeit und auch Beginn und Dauer der Beschwerden. Sodann kann mit Hilfe verschiedener Hauttests und ggfs. Blutuntersuchungen der allergieauslösende Stoff gefunden werden. Mittels einer Lungenfunktionsprüfung können wir feststellen, ob es sich bei den Beschwerden und Asthma handeln könnte.

Kann man auch einer Allergie vorbeugen?
Wirklich vorbeugen – leider nein. Aber sobald man weiß, auf welche Stoffe man allergisch ist, kann man sich natürlich anpassen und sich bis zu einem gewissen Grad schützen. Bei Nahrungsmittelallergien muss man natürlich auf die entsprechenden Lebensmittel verzichten. Hausstauballergiker sollten – wenn möglich – keinen Teppichboden in der Wohnung oder zumindest nicht im Schlafzimmer haben. Und bitte nur feucht Staub wischen – sonst wirbelt man den Staub nur auf!
So gibt es natürlich noch viele Tipps – Sie können auch jederzeit Ihren Arzt oder das Praxisteam fragen!

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Nachdem wir festgestellt haben, worauf die allergische Reaktion erfolgt, können wir die Therapie mit unserem / unserer Patient/in abstimmen. Es gibt inzwischen gute
Präparate, in der Regel handelt es sich um „Antihistaminika„, um die Symptome zu bekämpfen. Die Beschwerden werden mit dieser Behandlung gelindert, aber die Ursache selber nicht bekämpft. In schwereren Fällen oder bei akuten allergischen Reaktionen ist auch die Gabe von Cortison möglich.

Oft ist es jedoch sinnvoller, eine Hyposensibilisierung durchzuführen. Dabei wird versucht, den Körper an das „Allergen„ zu gewöhnen, also weniger empfindlich zu machen. Im Verlauf dieser Behandlung wird eine kleine Menge der allergieauslösenden Substanz unter die Haut gespritzt. Die Dosis wird im Verlauf der Behandlung, natürlich immer unter ärztlicher Aufsicht, gesteigert. Die Hypo-sensibilisierung kann inzwischen auch in Form von Tabletten oder Tropfen durchgeführt werden. Wenn diese Verfahren auch im ersten Moment sehr attraktiv erscheinen, sind die Voraussetzungen für einen Erfolg sehr spezifisch und nicht in jedem Fall ist diese Therapieform sinnvoll.

Die Hyposensibilisierung sollte nicht in der jeweiligen Allergie - Saison starten. Die häufigen Gräser- und Baumpollenallergien beginnt man ab Oktober / November, also im Winter. Um das Immunsystem an das Allergen zu gewöhnen beginnt man mit sehr kleinen Mengen in kurzen, meist wöchentlichen Abständen. Nach spätestens 8-12 Wochen, wenn der Körper das Allergen „akzeptiert„, ist die Injektion meist nur noch einmal monatlich nötig. Für die Diagnostik und Bestellung der Arzneimittel muss man ungefähr 3 Wochen Vorlauf einplanen.

Die für den Patienten /die Patientin beste Therapieform ergibt sich daher immer aus einer guten Diagnose und im Arzt-Patientengespräch.

 

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